Bremen

Bremer Zoll sieht sich im Hafen gut für möglichen Brexit vorbereitet

Drogenschmuggel und Produktfälschungen: Die Zollfahnder in Bremen und Bremerhaven haben 2018 wieder allerlei Waren aus dem Verkehr gezogen - auch der Nachbau eines beliebten Oldtimers war dabei.


Zoll_1500.jpg
 (Foto: picture alliance/dpa)

Das Hauptzollamt Bremen sieht sich beim Seegüterumschlag auch für einen möglichen harten Brexit gut gerüstet. Sollte es zu einem ungeregelten Ausstieg Großbritanniens aus der EU kommen, müsste jede von dort kommende oder dorthin adressierte Ware vom Zoll abgefertigt werden, sagte die stellvertretende Leiterin des Hauptzollamtes Bremen, Nicole Tödter, am Dienstag in Bremerhaven. Das würde bei der Containerabfertigung im Bremerhavener Überseehafen eine Mehrarbeit von voraussichtlich rund drei Prozent für die Zollbeamten bedeuten. "Dadurch wird es zu keiner Verzögerung kommen", betonte Tödter.

Nicht absehbar sei allerdings, welche europäischen Häfen künftig Containerschiffe aus Übersee ansteuern werden, wenn sie nicht mehr wie bisher ihre Ware in Großbritannien umschlagen sollten. Bremerhaven, Hamburg, Antwerpen und Rotterdam könnten dann verstärkt angefahren werden, sagte Tödter.

Das britische Parlament hat den von Premierministerin Theresa May mit der Europäischen Union vereinbarten Trennungsvertrag bereits drei Mal abgelehnt. Gibt es kein Abkommen, würde Großbritannien von den EU-Zollbehörden wie ein Drittstaat behandelt. Das würde Kontrollen für praktisch alle Güter bedeuten, die die EU und Großbritannien austauschen.

Herausforderung Drogenschmuggel

Eine der größten Herausforderungen des Hauptzollamts Bremen sei weiterhin der Drogenschmuggel, sagte Zolloberamtsrat Holger Sprung. Zwar sei die aufgefundene Menge Kokain im Jahr 2018 mit 423 Kilogramm geringer als 2017 gewesen, als knapp 1,3 Tonnen entdeckt worden waren. Diese große Menge habe aber vor allem an einem einzelnen Fund im Bremerhavener Überseehafen von 1,1 Tonnen Kokain gelegen.

Um Drogen zu finden, setzt der Zoll auch Spürhunde ein. Einige von ihnen sind darauf trainiert, Bargeld zu entdecken - sowohl im Bremerhavener Überseehafen als auch auf dem Bremer Flughafen. "Beim Grenzübertritt muss ein Betrag von über 10 000 Euro beim Zoll deklariert werden", erklärte Sprung. Das werde aber immer wieder von Reisenden nicht gemacht.

Die Hunde würden vor allem darin ausgebildet, Euro- und Dollarscheine sowie britische Pfundnoten und Schweizer Franken zu erschnüffeln. "Die Scheine riechen alle anders, je nach Holzanteil im Papier und verwendeter Druckerfarbe", sagte Zollhundeführer Stefan Klinge. Selbst durch dicke Verpackungen könnten die Tiere das Geld entdecken. Den Besitzern droht dann ein Bußgeld.

Mit Produktfälschungen werden Zöllner immer mehr konfrontiert. "Es gibt nichts, was nicht gefälscht wird", betonte Andreas Heuer, Leiter des Zollamts Bremerhaven. Die Fahnder entdeckten 2018 in Seecontainern gefälschte Airbags, Alufelgen, Kopfhörer, Arzneimittel und sogar einen Nachbau eines der ersten Harley-Davidson-Motorräder. In 300 Fällen seien die Waren mit einem Wert von mehr als 11 Millionen Euro beschlagnahmt worden - doppelt so oft wie 2017.

(dpa)