Bremen

Bremen zieht positive Bilanz nach sechs Monaten Ordnungsdienst

Sie gelten als Hilfssheriffs und haben Befugnisse wie die Polizei. Seit einem halben Jahr patrouilliert ein Ordnungsdienst durch Bremens Straßen. Hilfsorganisationen waren im Vorfeld skeptisch.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Eine Ordnungswidrigkeit ist schnell begangen: Kurz mit dem Rad über den Bürgersteig fahren oder den Hund frei herumlaufen lassen. Seit dem 1. Oktober mahnt in Bremen ein Ordnungsdienst derartige Vergehen ab. "Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie damit gegen Regeln verstoßen", sagte die Leiterin des Bremer Ordnungsamts, Sermin Riedel. Der Ordnungsdienst ist ihrer Behörde angegliedert.

"Die Kolleginnen und Kollegen setzen auf Reden und Deeskalieren", sagte Riedel. Obwohl sie zum Eigenschutz mit Schlagstöcken und Handfesseln ausgestattet sind, habe es bislang keine ernsthaften Auseinandersetzungen mit Bürgern gegeben. Im Zweifelsfall haben die 22 Ordnungdienstler aber die gleichen Befugnisse wie die Polizei.

"Die Maßnahmen entscheiden wir immer nach Einzelfall", sagte die Leiterin des Ordnungsamtes. Neben der Verwarnung kann auch ein Bußgeld fällig werden: Wer Hundekot liegen lässt, muss in Bremen laut Bußgeldkatalog 35 bis 70 Euro zahlen; die Fahrt mit dem Rad über eine rote Ampel kostet zwischen 60 und 180 Euro. Im Jahr 2018 haben die Streifen in Bremen knapp 3000 Verwarnungen ausgesprochen. 4687 Euro wurden an Verwarngeld kassiert. In 77 Fällen haben sie Ordnungswidrigkeiten angezeigt.

Die Bürger nehmen den Dienst der Ordnungsamtsleiterin zufolge gut an: "Selbst wenn es an ihren Geldbeutel geht, haben die meisten Verständnis." Die Streifen sind aber nicht nur Ansprechpartner bei Ordnungswidrigkeiten. "Die Kollegen haben auch schon mal erste Hilfe geleistet, als eine Frau einen epileptischen Anfall hatte, und ein Stalking-Opfer betreut", so Riedel.

Sozialhilfeorganisationen in Bremen waren im Vorfeld skeptisch. "Aber bisher lief es nur etwas holprig, als wir einen Szenetreff am Hauptbahnhof eröffnet haben", sagte Bertold Reetz vom kirchlichen Hilfswerk Innere Mission. Seit dem 1. April sollen sich am Bahnhof Suchtkranke und Wohnungslose versammeln können. "Wenn die Ordnungskräfte aber ständig Ausweise kontrollieren oder Platzverweise erteilen, bringt so eine Anlaufstelle nichts." Nach einem Gespräch mit dem Innensenator würden sich die Ordnungskräfte nun zurückhalten.

Das Ordnungsamt sieht Bedarf, die Ordnungspatrouille noch weiter auszubauen. "Der Dienst ist sehr begehrt", so Riedel. "Wir würden mehr Mittel begrüßen." Über den Haushalt will der Senat nach der Bürgerschaftswahl Ende Mai entscheiden.

Auch in Städten wie Berlin, Köln, Dortmund, Freiburg und Karlsruhe gibt es Ordnungsdienste. Hannover stockte seinen städtischen Ordnungsdienst erst Ende vergangenen Jahres auf 50 Mitarbeiter auf. In der niedersächsischen Landeshauptstadt patrouillieren sie immer gemeinsam mit der Polizei.

(dpa)