Hildesheim

Bistum Hildesheim lässt Missbrauch erneut von Experten untersuchen

Sexueller Missbrauch treibt die katholische Kirche seit Jahren um. Auch im Bistum Hildesheim sollen sich Kirchenmänner an Kindern vergangen haben. Noch längst ist nicht alles aufgearbeitet.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Sechs Monate nach einem neuen Missbrauchsvorwurf gegen den Hildesheimer Altbischof Heinrich Maria Janssen sollen externe Experten die Anschuldigungen überprüfen. Das genaue Vorgehen wollen Bischof Heiner Wilmer und die beauftragten Fachleute am Mittwoch erläutern. Ziel ist eine unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch im Bistum Hildesheim, hatte das Bistum bereits im Vorfeld angekündigt. Mit dem Vorwurf gegen den gestorbenen Altbischof verbunden waren Hinweise auf systematischen sexuellen Missbrauch von Heimkindern durch Verantwortliche der Kirche.

Ein Mann hatte dem Bistum geschildert, dass er Ende der 50er Jahre als Heimkind von Janssen (1907-1988) aufgefordert worden sei, sich vor ihm auszuziehen. Dieser habe ihn mit den Worten weggeschickt, er könne ihn nicht gebrauchen. Zum Bischof gebracht und wieder abgeholt wurde er nach seiner Schilderung vom Heimleiter, einem Priester, der ihn auch sexuell missbraucht haben soll. Zudem habe sich ein Kaplan an ihm vergangen. Seit Bekanntwerden dieses Vorwurfs meldete sich zunächst kein weiteres mögliches Opfer.

Bereits 2015 gab es einen ersten Vorwurf gegen den Altbischof von einem ehemaligen Messdieners. Das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) war daraufhin mit einer Untersuchung beauftragt worden. Trotz intensiver Nachforschungen ließ sich der Vorwurf aber nicht mehr erhärten, da sich keine Zeugen mehr fanden. Allerdings attestierte das Institut dem Hildesheimer Bistum jahrzehntelange schwerwiegende Versäumnisse im Umgang mit sexuellen Missbrauchsfällen.

Bischof Wilmer hatte kürzlich zwar einen gewissen Zusammenhang zwischen dem Zölibat, der Ehelosigkeit von Priestern und dem Missbrauch in der Kirche eingeräumt. "Es scheint offensichtlich, dass die Kirche durch den Zölibat sexuell unreife Männer angezogen hat. Das verlangt aber nicht die Abschaffung des Zölibates", sagte Wilmer. "Wir müssen die Aufnahmekriterien zum Priesteramt verschärfen, die Ausbildung reformieren."

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte auf ihrer Frühjahrstagung Mitte März in Lingen ein Aufarbeiten der Missbrauchsproblematik zugesichert. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte ein verstärktes Zugehen auf die Opfer angekündigt. Neben der Aufarbeitung und Prävention werde die Kirche auch die Umstände innerhalb der Kirche untersuchen, die den Missbrauch erleichtert hätten.

(dpa)