Endlagersuche

Behördenchef: Keine politischen Kriterien bei Endlagersuche

Atommüll muss irgendwo in Deutschland entsorgt werden - doch das Thema ist emotionsbeladen. Derzeit prüft das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit, welche Standorte als Endlager geeignet wären. Die Behörde will den Prozess transparent gestalten.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Der Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, Wolfram König, hat politische Kriterien bei der Suche nach einem atomaren Endlager ausgeschlossen. Die Bürger sollten das Verfahren als fair und transparent und nicht als willkürlich wahrnehmen, sagte König am Montag in Hannover vor einer Dialogveranstaltung. "Wir dürfen nicht auch nur den Anschein erwecken, dass hier aus irgendwelchen parteipolitischen oder anderen Interessenslagen heraus ein Gebiet besonders betrachtet oder besonders herausgehalten wird."

Deutschlands hoch radioaktiver Atommüll soll unterirdisch endgelagert werden. Bis 2031 will der Bund dafür einen geeigneten Ort finden - maximale Sicherheit für eine Million Jahre lautet das Ziel. Auf Basis festgeschriebener Kriterien suchen Experten entsprechende Regionen aus. Die hoch radioaktiven Atomabfälle sollen unterirdisch tief in einem Bergwerk entsorgt werden. Erste Ergebnisse sind für 2020 angekündigt. Über einen Endlager-Standort entscheiden am Ende Bundestag und Bundesrat.

Um den Prozess der Endlagersuche auch für die Bürger transparent zu gestalten, setzt das Bundesamt auf Dialogveranstaltungen in den Landeshauptstädten. Nach Kiel, Schwerin und Potsdam war nun Hannover an der Reihe.

In Niedersachsen hat das Thema Endlager eine besondere Dimension. Im Jahre 1977 hatte der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) den Salzstock in Gorleben als Endlager vorgeschlagen. Das Vorhaben versprach dem strukturschwachen "Zonenrandgebiet" Tausende Jobs und hohe Steuereinnahmen. Doch die Pläne stießen schnell auf erbitterten Widerstand. 2011 beschloss der Bundestag den Ausstieg aus der
Atomenergie. 2013 verabschiedete er dann das Standortauswahlgesetz, die Suche nach einem Endlager wurde wieder auf Null gesetzt.

Es habe die Bundesrepublik jahrelang bewegt, dass die Entscheidung für Gorleben damals als "unfair, nicht nachvollziehbar, politisch motiviert und fachlich nicht haltbar" empfunden wurde, sagte König rückblickend. Nun gelte es, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen und die Bürger davon zu überzeugen, dass sie die Verantwortung für die Entsorgung des Atommülls gemeinsam tragen müssten. "Gorleben wird dabei genauso betrachtet wie alle anderen möglichen Standorte", sagte König.

(dpa)