A30-Lückenschluss

Bad Oeynhausen atmet auf

Anwohner und Autofahrer warten seit Jahrzehnten darauf, dass die Lücke auf der A30 bei Bad Oeynhausen geschlossen wird. Statt einer Autobahn gibt es dort nur eine vierspurige Bundesstraße mit Ampeln durch den Ort. Die lang erwartete Nordumgehung soll in dieser Woche endlich freigegeben werden.


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Foto: Niels Kristoph

Endlos schiebt sich die Blechlawine durch die Stadt. Stop and Go, den ganzen Tag lang. Bis zu 50.000 Fahrzeuge schlängeln sich täglich durch Bad Oeynhausen. Mitten in der Stadt verläuft die Verbindung zwischen zwei der wichtigsten Ost-West-Autobahnen Deutschlands. Wenn die aus Amsterdam kommende Autobahn A30 auf die Autobahn 2 trifft, geht tagsüber fast nichts mehr in der Innenstadt des Kurortes. Aber die Zeiten bessern sich: Im Dezember soll die langerwartete Nordumgehung in Etappen freigegeben werden. Die feierliche Eröffnung ist für den 6. Dezember vorgesehen.

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Foto: Niels Kristoph

„Besonders freitags ist es extrem“, sagt Antje Zander. Ihre Würstchenbude "Stahls Imbiss" steht seit 68 Jahren an der Mindener Straße. Sie ist hier groß geworden und ist noch skeptisch, ob tatsächlich alle LKW auch um Bad Oeynhausen einen Bogen machen werden. Auch im Friseursalon von Heike Weber merkt man den Verkehr. „Manchmal zittern die Glasscheiben“, sagt sie. Die Nordumgehung sei entlastend.

Mit der Nordumgehung werde Bad Oeynhausen aufatmen, sagt der Bürgermeister des Kurortes, Achim Wilmsmeier (SPD). "Das bedeutet, dass wir endlich von dem Verkehr in der Innenstadt befreit werden und die Möglichkeit bekommen, das ganze baulich umzugestalten." Der Lastwagenanteil der Blechlawine betrage mehr als 20 Prozent - unter der Kolonne von Sattelschleppern und Tiefladern ächzt die 49 000-Einwohnerstadt heute ebenso wie unter den Pendlern aus Niedersachsen und Westfalen. Der Straße sind die Strapazen anzusehen: Unter den 40-Tonnern ist die vierspurige Ortsdurchfahrt wellig geworden.

Zeitersparnis von rund 20 Minuten

Die A30, die in der Stadt selber zur Bundesstraße 61 wird, trenne Bad Oeynhausen zwischen Nord und Süd, sagt Wilmsmeier. "Jeder überlegt sich gut zu bestimmten Zeiten, wie er von der einen in die andere Richtung kommt." So paradox das klingt: Die Fernverkehrsstraße blockiert bislang die Zufahrt zur Innenstadt. Auch bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer in Bielefeld sieht man Chancen, dass der Einzelhandel der Kurstadt von der Nordumgehung profitiert, sagt Kammer-Sprecher Jörg Deibert.

Durch die Umgehungstraße sparen Autofahrer zwischen Hannover und Osnabrück ca. 20 Minuten. Das freut auch Bürgermeister Achim Wilmsmeier. "Jetzt gibt es die Chance, auch die Straße umzugestalten mit Radverkehr und Flaniermöglichkeiten", sagt er gegenüber Antenne Niedersachsen.

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Foto: Niels Kristoph

Die Nordumgehung bedeutet auch gute Nachrichten für die Wirtschaft gleich mehrerer Nachbarregionen. "Sie verbindet die Häfen in Belgien und den Niederlanden mit Osteuropa", sagt Deibert. Die Region werde attraktiver für Firmenansiedlungen. Der Lastwagenverkehr auf dieser Achse werde in den nächsten Jahren noch steigen, prognostiziert Deibert.

Seine Kollegin Anke Schweda von der IHK in Osnabrück sagt: "Mit der Nordumgehung verschwinden die letzten Ampeln auf der Autobahn zwischen Amsterdam und Warschau." Joachim Brendel, Verkehrsexperte bei der IHK Nord-Westfalen in Münster, weist darauf hin, dass die A30 für große Teile des Münsterlandes die wichtigste Autoverbindung Richtung Osten ist. "Wenn ich als Münsteraner nach Hannover will, gibt es nur einen Weg: Von der A1 zum Kreuz Lotte und dann auf die A30."

Eine Lücke weniger im Autobahnnetz

"Die A30 ist Teil des transeuropäischen Nord-Ostsee-Korridornetzes", erklärt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Somit sei der Lückenschluss von europäischer Bedeutung. Der Autoclub weist auf zwei weitere vergleichbare Lücken im deutschen Autobahnnetz hin: Auf den Lückenschluss der Autobahn 1 in der Eifel und auf den Lückenschluss der A143 westlich von Halle. Zu den wichtigen Neubaumaßnahmen zählt der ADAC die A14, die Küstenautobahn A20 und die A39. Zudem gebe es noch Lücken von geringerer Bedeutung: Auf der A22 von Hamburg nach Kiel der Lückenschluss südlich von Kiel, auf der A33 der Lückenschluss östlich von Osnabrück, und der Lückenschluss der A94 östlich von München.

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Foto: Niels Kristoph

"Wir werden viel Zeit sparen", sagt Matthias Magnor, Geschäftsführer für Straße und Schiene beim Osnabrücker Logistikdienstleister Hellmann. Bislang hätten die Lastwagen zwischen 20 Minuten und einer ganzen Stunde auf dem Weg verloren. "Dadurch rückt auch der Westen Niedersachsens ein wenig näher an die Landeshauptstadt Hannover", schätzt er. Zum Beispiel werde damit auch der Flughafen der Niedersachsen-Metropole für ihn als Geschäftsmann attraktiver. Bislang nutzt der Manager noch häufig den Airport in Düsseldorf. Aber der sei vor allem wegen des überlasteten Autobahnnetzes im Rhein-Ruhrgebiet drei Stunden von Osnabrück entfernt. In Hannover könnte man nach dem Lückenschluss in einer guten Stunde sein - sofern es nicht Stau auf der A 2 gibt, was nicht gerade selten ist.

Die Menschen in Bad Oeynhausen freuen sich nun, in den nächsten Jahren die frei gewordene B 61 umbauen zu können, sagt Bürgermeister Wilmsmeier. Wichtig sei nun, dass die Bürger im Norden Bad Oeynhausens nicht über Gebühr mit Lärm belastet werden. "Dort, wo jetzt die Autobahn gebaut wurde, war vorher nichts als Natur." Eine Bürgerinitiative hatte den Bau jahrelang verhindert; erst das Bundesverwaltungsgericht machte im Sommer 2008 den Weg für die Bagger frei. Jetzt sollen 12 800 Quadratmeter Lärmschutzwände und 120 000 Quadratmeter Erdwälle die Anwohner vor Verkehrslärm schützen.

(dpa & Niels Kristoph)