Auszubildenenrückgang

Azubis werden knapp - Handwerk kämpft mit Imageproblem

Für die Ausbildungsbetriebe in Niedersachsen und Bremen wird es immer schwieriger, passende Lehrlinge zu finden. Nach Ansicht der Handwerkskammer fängt die Herausforderung schon bei den Eltern an.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Geeignete Auszubildende werden in Niedersachsen und Bremen zur Mangelware. Während es aktuell mehr Ausbildungsstellen gibt als im Vorjahr, ist die Zahl der Bewerber erneut zurückgegangen. Nach Angaben der Arbeitsagentur waren im Juni noch 24 819 Stellen in Niedersachsen unbesetzt, in Bremen waren es 2015 Stellen. "Die Aufgabe, geeignete Auszubildende für den eigenen Betrieb zu finden, ist für jeden Betrieb aktuell groß", sagte Tobias Roeder von der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen vor dem Start des Ausbildungsjahres am 1. August.

Dabei gibt es laut Arbeitsagentur große regionale Unterschiede: In einigen Regionen gebe es doppelt so viele Stellen wie Bewerber. Dazu zählen Wolfsburg mit 2,28 Stellen pro Bewerber, das Emsland (2,01) und Osnabrück (1,98). Ganz anders sieht es in Lüchow-Dannenberg (0,66), Salzgitter (0,62) und Wolfenbüttel (0,39) aus. Allerdings müssten auch Pendlerströme berücksichtigt werden, etwa von Wolfenbüttel nach Wolfsburg, teilte die Arbeitsagentur mit.

Bewerberzahl lässt nach

Insgesamt wurden in Niedersachsen 52 776 Ausbildungsstellen gemeldet, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Dem steht ein Rückgang der Bewerberzahl um 5,5 Prozent auf 49 461 entgegen. In Bremen schnellte die Zahl gemeldeter Stellen nach niedrigem Niveau im Vorjahr sogar um 24,3 Prozent nach oben. Die Bewerberzahl ließ dagegen um 8,1 Prozent auf 3734 nach.

Das Handwerk hat im Werben um geeignete Lehrlinge zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen. "Im Handwerk werden oft nicht zeitgemäße Berufsbilder vermittelt", sagte Roeder. Technische Neuerungen und die Digitalisierung der Branche seien noch nicht allgemein anerkannt. "Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Image sich allem voran in den Köpfen der Eltern festgesetzt hat."

Mehrere Gründe für Azubi-Mangel

Ein Mittel, um die Berufe attraktiver darzustellen, seien sogenannte Ausbildungsbotschafter. Junge Azubis gehen dabei an die Schulen und berichten von ihren eigenen Erfahrungen im Beruf. Das sei die "authentischste Form der Berufsorientierung", sagte Roeder, der das Handwerk auch als Aufstiegschance hin zum erfolgreichen Unternehmer sieht. Um Lehrlinge für sich zu gewinnen, werben Betriebe demnach etwa mit kostenlosen Handyverträgen oder Prämien für gute Noten. Dennoch verstärkten der Trend zum Studium und der demografische Wandel die Herausforderung für die Betriebe. Darin sieht auch die Arbeitsagentur die Hauptgründe für den Azubi-Mangel.

Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Rentenalter, weniger Junge kommen nach. Das sei vor allem auf dem Land spürbar, sagte Roeder. "In Ballungszentren ist es natürlich leichter, eine größere Zahl an jungen Menschen zu erreichen und gegebenenfalls für den eigenen Betrieb und das jeweilige Gewerk zu interessieren, als in der Fläche."

Gegenbeispiele beweisen Azubi-Zuwachs in anderen Regionen

Es gebe aber auch Gegenbeispiele: So habe die Kammer Hildesheim-Südniedersachsen bis Ende Juni 14,3 Prozent mehr Lehrverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Vor allem die Sparten Kfz-Mechatroniker, Elektriker, Metallbauer und Tischler hätten weniger Probleme, Azubis zu finden. Engpässe gebe es beim Bau und im Nahrungsmittelhandwerk.

Die Handwerkskammern und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen hatten kürzlich kritisiert, dass den Berufsschulen seit Jahren Lehrer fehlten. Die Unterrichtsversorgung sei im Vergleich zu Grundschulen und Gymnasien unterdurchschnittlich.

(dpa)