Kindergrundsicherung

"Armut spaltet" - Kinderschutzbund fordert mehr Hilfen für Familien

Für manche Mädchen und Jungen ist nicht einmal ein warmes Mittagessen selbstverständlich. An Besuche von Freizeitparks ist für sie gar nicht zu denken. Kann das Konzept der Kindergrundsicherung einkommensschwachen Familien helfen?


122954786_ergebnis.jpg
 (Foto: picture alliance/dpa)

Der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Niedersachsen, Johannes Schmidt, hat mehr finanzielle Unterstützung für einkommensschwache Familien gefordert. Ein Festbetrag für jedes Kind - die sogenannte Kindergrundsicherung - sei genau der richtige Weg, sagte der Verbandschef der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Selbst Fachleute hätten Schwierigkeiten, das aktuelle System an Leistungen zu durchschauen, die beantragt werden müssten.

In Niedersachsen waren 2017 mehr als 200 000 unter 18-Jährige von Armut bedroht. Dies war fast jedes sechste Kind. "Unsere Ortsgruppen berichten regelmäßig von Mädchen und Jungen, die mittags mit Hunger in unsere Einrichtungen kommen", sagte Schmidt. "Armut spaltet schon in der Kindheit. Die Mädchen und Jungen erleben, dass für Kino, Sport oder Freizeitparks kein Geld da ist."

Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) stellt an diesem Montag gemeinsam mit der Darmstädter Rechtswissenschaftlerin Anne Lenze ein Gutachten zu den finanziellen Bedarfen von Kindern vor. Die Sozialministerkonferenz hatte sich Ende 2018 dafür ausgesprochen, ein unter Federführung Niedersachsens entwickeltes Grobkonzept zur Kindergrundsicherung weiterzuentwickeln. In einem ersten Schritt sollen Kindergeld, Kinderzuschlag, Hartz-IV-Leistungen und solche aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zusammengefasst werden.

Sozialverbände haben Anfang 2019 die Einführung einer Kindergrundsicherung gefordert

Sozialverbände hatten Anfang des Jahres die Einführung einer Kindergrundsicherung von 628 Euro im Monat gefordert - mit steigendem Haushaltseinkommen solle die Leistung langsam abgeschmolzen werden. Auf Bundesebene sind SPD, Grüne und Linke für eine Reform der Leistungen für Familien - die Grünen etwa plädieren für einen Betrag von 280 Euro monatlich plus X. FDP, CDU und CSU sehen das Vorhaben kritisch.

Die schwarz-rote Koalition in Berlin hatte bereits im März ein Gesetz verabschiedet, von dem vor allem Familien mit kleinem Einkommen profitieren - etwa indem das Schulmittagessen kostenlos wird. Bundesweit leben rund vier Millionen Kinder in von Armut bedrohten Haushalten: die eine Hälfte bezieht Hartz IV, bei den anderen reicht das Geld nicht, obwohl die Eltern arbeiten.

(dpa)