Naturschutz

Vorfahrt für Natur - Verbot stoppt Kanus auf Flüssen

Auch Flüsse kommen in Stress, wenn etwa mehr Paddler als verträglich und zudem noch lautstark unterwegs sind. Die Behörden erwarten zunächst mehr Rücksicht - später könnten weitere Verbote folgen.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Eine Auszeit für die Natur sollen künftig die Flüsse Luhe und Ilmenau bekommen. Der Landkreis Lüneburg will dort künftig den Rummel unterbinden, der zu Himmelfahrt und an den Pfingsttagen auf dem Wasser herrscht. Üblicherweise sind dann in Kajaks und Kanadiern zahlreiche Ausflügler unterwegs, viele davon lautstark und mit wenig Rücksicht auf empfindliche Flachwasserzonen und Uferböschungen. Die neuen Regeln sehen ein nächtliches Fahrverbot sowie Sperrungen zu Himmelfahrt und Pfingsten vor. Die Verordnung zielt vor allem auf Fahranfänger in Leihbooten kommerzieller Vermieter ab, für Kanuvereine sollen aber Ausnahmen gelten.

"Mit diesen Ausnahmeregelungen sind wir sehr zufrieden", sagte Hans-Ulrich Sonntag vom Landes-Kanu-Verband (LKV) Niedersachsen. Damit könnten organisierte Vereinsmitglieder nach Feierabend weiter ihre Trainingsrunden drehen und seien von den Sperrungen ausgenommen. Der Fluss Lopau bleibt ganzjährig gesperrt. Wenn der Kreistag am 13. Mai zustimmt, können die Regeln zum Juli in Kraft treten.

Mehr Tierschutz durch Kanu-Auszeit

Der Landkreis Lüneburg hatte die Auszeit für die Natur vor allem zum Schutz der Tiere angestrengt. Fischotter, Vögel oder Libellen sollten noch bei Tageslicht ungestört Nahrung im und am Fluss suchen können. Vorgaben zu festen Ein- und Ausstiegsstellen sowie maximalen Bootsgrößen sollen künftig dafür sorgen, dass Ufer, Böschungen und Flussbett geschützt werden.

In der Vergangenheit hatte der Landkreis viele betrunkene Ausflügler registriert, die mit lauter Musik unterwegs waren. Fotos belegten die Zerstörung von Landschaften, der Höhepunkt waren mit Flaschen verstopfte Nistplätze des geschützten Eisvogels. Unbekannte hatten dadurch den Lebensraum des Vogels am Ilmenau-Ufer langfristig zerstört.

Kein Kanu-Verbot im Landkreis Harburg

Der Nachbarkreis Harburg will dem Lüneburger Beispiel mit weiteren Fahrverboten zunächst nicht folgen. Mehr Verantwortungsgefühl bei Paddlern soll noch im Laufe des Jahres eine Informationsbroschüre wecken, sagte Landkreis-Sprecher Andres Wulfes in Winsen (Luhe). Denn Probleme wie laut johlende Gruppen, Müll und parkende Autos seien auch von Wassertouristen an den Heideflüssen Seeve und Este bekannt. Die Naturparkregion Lüneburger Heide bot daher eine Fortbildung für Kanuvermieter an, damit diese ihr Wissen über Natur- und Gewässerschutz an die Kunden weitergeben.

Der Landes-Kanu-Verband beobachtet allerdings mit Sorge, dass sich Fahrverbote mehr und mehr wie ein Flickenteppich in Niedersachsen ausbreiten. Dort habe es vom Herbst 2017 bis 2018 so viele neue Befahrungsregelungen gegeben wie für ganz Deutschland, sagte LKV-Vizepräsident Sonntag. Die meisten Einschränkungen aus Gründen des Naturschutzes seien für umweltverträglich orientierte Kanuten nachvollziehbar. "Es gibt viele Regelungsmöglichkeiten, aber eine Sperrung ist immer die schlechteste", sagte Sonntag.

Wenig überzeugt von der Wirkung der Verordnung ist Kanu-Verleiher Sven Hansen in Handeloh im Kreis Harburg. Er sieht vielmehr den Alkohol als Hauptproblem bei vielen Wassertouristen: "Die Behörden lassen uns mit diesem Problem allein. Eigentlich müssten sie Alkohol-Verbotsschilder aufstellen und Kontrollen wie auf den Straßen einrichten", forderte Hansen.

(dpa)