Mathe-Abitur

Niedersachsen sieht bei Mathe-Abi keinen akuten Handlungsbedarf

Schlechte Nachrichten für Niedersachsens Abiturienten: Eine Neubewertung ihrer Ergebnisse im Mathematik-Abitur schließt der Kultusminister aus. Allerdings sieht er weiteren Bedarf für Debatten über die Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen in den Bundesländern.


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 (Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec)

Schwierig, aber nicht zu schwierig: Trotz Schülerkritik am Mathe-Abitur sieht Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zwar weiteren Diskussions- aber keinen akuten Handlungsbedarf. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass die Aufgaben anspruchsvoll, aber lösbar gewesen seien, sagte er am Mittwoch in Hannover. Im Mai hatten sich in mehreren Bundesländern Schüler über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben beschwert und an ihre Kultusministerien mit Online-Petitionen gewandt.

Zugleich gab Tonne eine Verschlechterung des landesweiten Gesamtschnitts bekannt. Über alle Schulformen und Anforderungsniveaus liege er im Fach Mathematik nach noch vorläufigen Zahlen bei 6,4 Notenpunkten (Vorjahr: 6,8). "Wir haben eine vergleichsweise geringe Verschlechterung: wenn man das auf Noten übertragen möchte, wäre man von einer 3 minus auf eine 4 plus gerutscht", sagte er.

Tonne kündigte im Nachgang eine ausführliche Manöverkritik an. Bei der Kultusministerkonferenz am Donnerstag in Wiesbaden werde das Mathe-Abi ein Thema sein. Die Debatte über die Vergleichbarkeit der schulischen Realität und dem Aufgabenpool müsse fortgeführt werden, auch wenn es keine Absenkung der Qualitätsstandards gebe. "Ich möchte ausdrücklich betonten, dass das niedersächsische Abitur anspruchsvoll ist und auch anspruchsvoll bleiben wird", erklärte der Minister. Die Erfahrungen aus diesem Jahr müssten Anlass sein, um in allen Bundesländern Aufgaben so zu stellen, dass sie lösbar sind.

Kritik von Elternverbänden und der Opposition

Von Elternverbänden und Teilen der Landtagsopposition kam heftige Kritik: "Keine Korrektur der Noten vorzunehmen ist zwar richtig, der Kultusminister muss sich jedoch fragen lassen, warum die Schüler sich flächendeckend überfordert fühlten und die Noten in Mathematik generell schlecht sind", rügte der FDP-Abgeordnete Björn Försterling. Eine Ursache sei der hohe Unterrichtsausfall. Mathematik müsse wieder von der Grundschule an einen höheren Stellenwert bekommen.

Ähnlich sieht es auch der Landeselternrat. "Dieses Ergebnis sollte wachrütteln und zwingend als deutlicher Hinweis verstanden werden, dem Trend der schlechter werdenden Ergebnisse entgegenzuwirken", mahnte der Elternratsvorsitzende Mike Finke.

Die Landtagsabgeordnete Julia Willie Hamburg (Grüne) sprach von einer großen Enttäuschung für die Schülerinnen und Schüler. "Das Kultusministerium folgt den vorgetragenen Beschwerden nicht, obwohl es selbst das Ergebnis nicht zufriedenstellend findet und den Prüfungsumfang an der oberen Grenze der Zumutbarkeit sieht."

Der Vorsitzende des Philologenverband Niedersachsen, Horst Audritz, sagte, das "Desaster" um die Bewertung des Mathematikabiturs unterstreiche erneut die Notwendigkeit, den länderübergreifenden Aufgabenpool auf den Prüfstand zu stellen.

Neben Niedersachsen und Bremen gehören auch Bayern, Hamburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und das Saarland zu den Bundesländern, in denen die Aufgaben des Mathe-Abis kritisiert wurde. In Niedersachsen hatten 18 000 Jugendliche die Mathe-Klausuren geschrieben.

(dpa)