Wort des Jahres

"Jamaika-Aus" ist Wort des Jahres 2017

Auf die Liste hat es diesmal auch eine merkwürdige Wortschöpfung von US-Präsident Donald Trump geschafft...


urn-newsml-dpa-com-20090101-171208-99-195690_large_4_3.jpg
Die Experten-Jury wertet mehrere tausend Fundstellen in Medien und externe Vorschläge aus, um aus den zehn wichtigsten Wörtern des Jahres eine Rangliste zu erstellen. Foto: Jens Büttner (Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

"Jamaika-Aus" ist zum Wort des Jahres 2017 gekürt worden. Der Begriff stehe nicht nur für die schwierige Regierungsbildung, sondern sei auch sprachlich interessant, erklärte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden. Auf dem zweiten Platz landete "Ehe für alle", dahinter "#MeToo". In die Liste schaffen es Begriffe, die nach dem Urteil der Sprachexperten für 2017 gesellschaftlich und politisch besonders relevant sind. Die Häufigkeit der Wörter ist weniger entscheidend.

Das lange Warten auf eine neue Bundesregierung

Der Name des Staates Jamaika habe in Deutschland eine neue Bedeutung bekommen - weil die Farben seiner Flagge für die (gescheiterte) schwarz-gelb-grüne Koalition stünden. Außerdem sei die Aussprache eingedeutscht worden. Mit dem Zusatz "Aus" werde umgangssprachlich auf das erfolglose Ende der Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen verwiesen.

"Ehe für alle" beschreibt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Dabei könne der Ausdruck auch falsch interpretiert werden, denn "alle" würde ja beispielsweise auch Kinder umfassen, sagte der GfdS-Vorsitzende Peter Schlobinski. Die Bedeutung des Begriffs "Ehe" sei mit der neuen Regel erweitert worden.

"Twitter-Donald" prägt einen sehr merkwürdigen Begriff

Mit dem Internet-Schlagwort "#MeToo" prangern Frauen weltweit sexuelle Übergriffe an. Auslöser für die Kampagne im Herbst 2017 waren Vorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein. Die Opfer wollten auf das Ausmaß des Problems aufmerksam machen, erklärte die GfdS. Auf den weiteren Plätzen der Zehner-Liste landeten unter anderem "Obergrenze", "Diesel-Gipfel" und "Videobeweis". Auch ein Begriff ohne erkennbare Bedeutung ist darunter: "covfefe". US-Präsident Donald Trump nutzte das Wort in einem Tweet.

Die Jury wählt Begriffe aus, die laut GfdS "den sprachlichen Nerv des Jahres treffen und einen Beitrag zur Zeitgeschichte leisten". Das "Wort des Jahres" wurde erstmals 1971 und seit 1977 regelmäßig gekürt. Mit der Liste sei "keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden", sagen die Sprachforscher.

Das waren die "Wörter des Jahres" seit 1971

2016: postfaktisch | 2015: Flüchtlinge | 2014: Lichtgrenze | 2013: GroKo | 2012: Rettungsroutine | 2011: Stresstest | 2010: Wutbürger | 2009: Abwrackprämie | 2008: Finanzkrise | 2007: Klimakatastrophe | 2006: Fanmeile | 2005: Bundeskanzlerin | 2004: Hartz IV | 2003: das alte Europa | 2002: Teuro | 2001: der 11. September | 2000: Schwarzgeldaffäre | 1999: Milennium | 1998: Rot-Grün | 1997: Reformstau | 1996: Sparpaket | 1995: Multimedia | 1994: Superwahljahr | 1993: Sozialabbau | 1992: Politikverdrossenheit | 1991: Besserwessi | 1990: die neuen Bundesländer | 1989: Reisefreiheit | 1988: Gesundheitsreform | 1987: Aids, Kondom | 1986: Tschernobyl | 1985: Glykol | 1984: Umweltauto | 1983: heißer Herbst | 1982: Ellenbogengesellschaft | 1981: Nulllösung | 1980: Rasterfahndung | 1979: Holocaust | 1978: konspirative Wohnung | 1977: Szene | 1971: aufmüpfig