Elfen-Glaube

In Island nimmt man Rücksicht auf Elfen

In Island rechnet man fest mit der Existenz von Elfen. 90 Prozent der Einwohner halten das für möglich. Und deswegen nimmt man Rücksicht auf die unsichtbaren Naturwesen - zum Beispiel beim Straßenbau.


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Vorsicht mit der "Elfenkirche"

In dem Städtchen Garðabær auf Island haben Bauarbeiter im März 2015 einen 70 Tonnen schweren Lava-Brocken behutsam zur Seite gehievt, um Platz für eine Straße zu machen. Dass sie mit dem Koloss so vorsichtig umgingen, hat einen Grund: Der Fels beherbergt nämlich nach Überzeugung einiger Isländer eine "Elfenkirche". Die Kapelle im Lavafeld sei ein Ort, zu dem Menschen und Elfen kämen, um Rat zu suchen, sagte Ragnhildur Jónsdóttir, die sich von den Naturgeistern als Sprecherin auserwählt sieht.

Unglücksserie nach dem Verschütten eines "Elfensteins"

Seit Straßenarbeiter im August 2015 Jahres einen "Elfenstein" unter einer Ladung Sand begruben, waren Bauarbeiten in Siglufjörður von Unglücken überschattet. Sveinn Zóphóníasson von der zuständigen Baufirma berichtete, dass die Straße von enormen Schlammmengen überspült worden sei. Ein Bauarbeiter fiel und verletzte sich, Bulldozer funktionierten plötzlich nicht mehr, ein Journalist versank bis zum Bauch im Schlamm und musste gerettet werden. "Niemand hatte an den Stein Álfkonusteinn gedacht", sagte Zóphóníasson der Zeitung. Dann forderte die Stadtverwaltung die Straßenbaubehörde auf, den Stein wieder frei zu legen und zu reinigen.

Das ist das mystische Island

Bei uns in Deutschland würden Elfenschützer wohl kopfschüttelnd belächelt werden. Ein Bauprojekt ändern oder gar stoppen, um Elfen zu schützen? Undenkbar. Und die Kritik des niedersächsischen Verkehrsministeriums nach dem Einsatz einer selbst ernannten "Elfenbeauftragten" zur "energetischen Versiegelung" von Unfallschwerpunkten auf der A2 ließ nicht lange auf sich warten.

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In Island ist das aber anders. Von den 350.000 Einwohnern stehen viele mystischen Sagen und Geschichten über Elfen, Feen und Trolle sehr aufgeschlossen gegenüber. Der Glaube an geheime Naturvölker - dem sogenannten Huldufólk - geht einher mit einem Engagement für Naturschutz. Die isländischen Behörden nehmen nicht nur Rücksicht auf diesen Glauben - sie arbeiten ab und an sogar mit "Elfenbeauftragten" zusammen, unter anderem im Vorfeld von Bauprojekten.

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