Unwort

"Alternative Fakten" ist Unwort des Jahres 2017

Beim letzten Mal fiel die Wahl auf "Volksverräter", davor auf "Gutmensch" - welches Wort wird diesmal zum "Unwort des Jahres" gekürt? Am Vormittag gibt die Jury ihre Entscheidung bekannt.


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Für das «Unwort des Jahres» waren bis kurz vor Weihnachten rund 780 Vorschläge eingegangen. Foto: Frank Rumpenhorst (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Zum Wort des Jahres wurde "Jamaika-Aus" gekürt , heute stand die Kür des sogenannten Unwort des Jahres 2017 an. "Alternative Fakten", ein Begriff den die Beraterin von US-Präsident Trump, Kellyanne Conway, geprägt hatte.

In der Begründung der Jury heißt es:

"Die Bezeichnung „alternative Fakten“ ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen. Zwar ist der Ausdruck nur aus dem US-amerikanischen Kontext und dort nur aus einem einzelnen Redebeitrag belegt: Die Trump-Beraterin Kellyanne Conway bezeichnete die falsche Tatsachenbehauptung, zur Amtseinführung des Präsidenten seien so viele Feiernde auf der Straße gewesen wie nie zuvor bei entsprechender Gelegenheit, als „alternative Fakten“. Der Ausdruck ist seitdem aber auch in Deutschland zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden: „Alternative Fakten“ steht für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen, die dann mit einer Bezeichnung wie „alternative Fakten“ als legitim gekennzeichnet werden."

"Fake News", "Bio-Deutsche", "Babycaust"?

Chancen hatten diesmal Begriffe wie "Fake News" für vorgetäuschte oder falsche Nachrichten sowie "Atmender Deckel" aus der Diskussion über die Begrenzung der Flüchtlingszahlen.

Von den 684 eingereichten unterschiedlichen Vorschläge hätten etwa 80 bis 90 den Kriterien der sprachkritischen Aktion entsprochen, sagte die Sprecherin der Jury, Nina Janich, aus Darmstadt.

Aus diesen Vorschlägen habe die sechsköpfige Fach-Jury knapp 20 Wörter ausgewählt und diskutiert. "Softewareupdate", "Bio-Deutsche" und "Babycaust" waren auch unter den Vorschlägen.

"Babycaust" ist der am häufigsten vorgeschlagene Begriff. Die Häufigkeit trägt aber nicht zur Entscheidung bei. Eingereicht hatte ihn die Gießener Ärztin Kristina Hänel, die vor kurzem wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Sie werde auf einer Website desselben Namens "diffamiert, verleumdet und angeprangert", teilte sie über ihr Unterstützungskomitee mit. Der Begriff "Babycaust" sei wegen seiner Ähnlichkeit zum Begriff "Holocaust", der für den Massenmord der Nazis an den Juden steht, "verschleiernd und irreführend".

Die Unwörter des Jahres seit 1991

Zum "Unwort des Jahres" wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das "Prinzip der Menschenwürde" oder gegen "Prinzipien der Demokratie" verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder "euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend" sei.

Das sind die Unwörter der letzten Jahre

  • 2016: Volksverräter
  • 2015: Gutmensch
  • 2014: Lügenpresse
  • 2013: Sozialtourismus
  • 2012: Opfer-Abo
  • 2011: Döner-Morde
  • 2010: Alternativlos
  • 2009: Betriebsratsverseucht
  • 2008: Notleidende Banken
  • 2007: Herdprämie
  • 2006: Freiwillige Ausreise