05. Oktober 2020 – Lea Biskup

Leitfaden für Kommunen

Handlungskonzept für steigende Corona-Infektionszahlen in Niedersachsen

Für den Fall, dass die Corona-Infektionszahlen bei uns in Niedersachsen weiter steigen, hat die Landesregierung ein neues Handlungskonzept entwickelt. Es soll den Kommunen als Leitfaden dienen und ihnen Maßnahmen an die Hand geben, die bei verschiedenen Infektionslagen in Kraft treten sollen.

Foto: picture alliance/dpa

Aktuell gibt es in Niedersachsen kontinuierlich steigende Infektionen mit dem Coronavirus. So melden im Vergleich zum Juli derzeit doppelt so viele Gesundheitsämter täglich neue Fälle. Nun hat das Niedersächsische Innen- und Sozialministerium ein vorsorgliches Handlungskonzept vorgestellt, das den Kommunen bei steigenden Infektionszahlen als Leitfaden dienen und ihnen Maßnahmen an die Hand geben soll, die bei verschiedenen Infektionslagen in Kraft treten sollen.

"Das Handlungskonzept bietet nun allen örtlichen Behörden einen differenzierten Orientierungsrahmen für mögliche weitere Eskalationsstufen. Im Mittelpunkt des Handlungskonzepts steht das Ziel, einen erneuten landesweiten Shutdown mit seinen erheblichen ökonomischen und sozialen Folgen möglichst zu vermeiden", erklärt Innenminister Boris Pistorius.

Vier Grundszenarien und fünf Warnstufen für Niedersachsen

Vier Grundszenarien sollen eine übergreifende Orientierung bieten. Dazu geht die niedersächsische Landesregierung von vier unterschiedlichen, denkbaren Szenarien aus:

  • 1. Szenario / grünes Szenario: geringe örtliche Corona-Ausbrüche
  • 2. Szenario / gelbes Szenario: begrenztes, aber stetiges Wachstum
  • 3. Szenario / orangenes Szenario: schwere Corona-Hotspots
  • 4. Szenario / rotes Szenario: massives und landesweit eskalierendes Infektionsgeschehen

Ausgehend von diesen vier Szenarien werden insgesamt fünf Warnstufen definiert, die den Gesundheitsbehörden vor Ort anhand von Schwellenwerten bestimmte Handlungen empfehlen. Als Schwellenwert dient das Infektionsgeschehen von Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 7 Tage. Die Warnstufen sind unterteilt in:

  • 1. Warnstufe: Normal (Infektionsgeschehen < 20 pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen)
  • 2. Warnstufe: Erhöht (Infektionsgeschehen ≥ 20 pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen, hinzuziehen weiterer Aspekte wie Inzidenzdauer, Alter der Infizierten)
  • 3. Warnstufe: Stark (Infektionsgeschehen ≥ 35 pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen, hinzuziehen weiterer Aspekte wie Inzidenzdauer, Alter der Infizierten)
  • 4. Warnstufe: Sehr stark (Infektionsgeschehen ≥ 50 pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen, hinzuziehen weitere Aspekte wie Inzidenzdauer, Alter der Infizierten)
  • 5. Warnstufe: Eskalierend (Infektionsgeschehen >> 50 pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen)

Ab einer Inzidenz von 20 Neuinfektionen pro 100-tausend Einwohner ist vorgesehen, weitere Einschränkungen bei privaten wie öffentlichen Veranstaltungen und schärfere Kontaktbeschränkungen zu prüfen.

Bei einem sehr starken oder sogar eskalierenden Infektionsgeschehen der Warnstufen 4 und 5 (ab 50 Infizierten je 100 Tsd. Einwohnern in sieben Tagen) könnte es dann gegebenenfalls zusätzlich zu örtlichen, regionalen oder im Extremfall landesweiten Einschränkungen kommen.

Die einzelnen Stufen sind als Orientierungshilfen gedacht und stimmen mit den vereinbarten Maßnahmen zwischen Bund und Ländern überein. Die verbindliche Grundlage der Infektionsschutzmaßnahmen bildet dabei weiterhin die niedersächsische Corona-Verordnung in ihrer jeweils geltenden Fassung.

Aktuell (Stand 05.10.2020) befindet sich Niedersachsen landesweit noch im Szenario "Grün" und in der Warnstufe 1. Dennoch ist es nach wie vor wichtig, die allgemein geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten, um ein mögliches Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu reduzieren.

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