07. Dezember 2020 –

Corona-Impfplan

Entwurf: Erste Corona-Impfungen wohl für medizinisches Personal und Seniorenheimbewohner geplant

In einigen Wochen könnten erste Impfstoffe gegen das Coronavirus da sein - aber noch nicht genug für alle Interessierten. Die zuständige Kommission legt nun genauere Vorschläge für eine Impf-Reihenfolge vor.

Foto: picture alliance/dpa

Zum Start der Corona-Impfungen in Deutschland sollen Ältere über 80, Pflegeheimbewohner und bestimmtes Personal mit hohem Infektionsrisiko voraussichtlich zuerst zum Zug kommen können. Dies entspricht rund 8,6 Millionen Menschen, wie aus einem am Montag verschickten Entwurf der Ständigen Impfkommission (STIKO) hervorgeht. Dazu können Länder und medizinische Fachgesellschaften nun noch Stellung nehmen - wegen besonderer Eilbedürftigkeit bis diesen Donnerstag. Grund für eine Prioritätensetzung ist, dass zum möglichen Auftakt von Impfungen zu Beginn des neuen Jahres nur kleinere Impfstoffmengen erwartet werden.

Die beim bundeseigenen Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte STIKO schlägt vor, Impfungen zunächst Personengruppen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe anzubieten - sowie Gruppen, die beruflich besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu Risikogruppen haben. Konkret nennt die Empfehlung Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen und Menschen über 80 Jahre.

Einen Rahmen für den Vorrang besonders gefährdeter Gruppen hatte der Bundestag in einem kürzlich beschlossenen Gesetz abgesteckt. Es ist die Basis für die geplante Empfehlung der STIKO, die aber erst nach einer Zulassung des ersten Impfstoffs in Deutschland erfolgen soll. Endgültig festlegen soll die Impf-Prioritäten dann eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die noch im Dezember kommen soll.

Ein erster Entwurf sieht folgende Impf-Reihenfolge vor:

Sehr hohe Priorität

Die STIKO schätzt diese Gruppe auf etwa 8,6 Millionen Menschen:

  • BewohnerInnen von Senioren-und Altenpflegeheimen
  • Personen im Alter von ≥80 Jahren
  • Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen (z.B. Notaufnahmen, medizinische Betreuung von COVID-19 PatientInnen)
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen (z.B. in der Hämato-Onkologie oder Transplantationsmedizin)
  • Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege
  • Andere Tätige in Senioren-und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den BewohnerInnen

Hohe Priorität

Laut STIKO zählen etwa 6,7 Millionen Menschen zu dieser Impfgruppe:

  • Personen im Alter von >75-80 Jahren
  • Personal mit hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • Personen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung in Institutionen
  • Tätige in der ambulanten oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung

Moderate Priorität

Die STIKO schätzt diese Gruppe auf etwa 5,5 Millionen Menschen:

  • Personen im Alter von ≥70-75 Jahren
  • Personen mit Vorerkrankungen mit erhöhtem Risiko und deren engste Kontaktpersonen
  • Personen in Asylbewerberunterkünften
  • Personen in Obdachlosenunterkünften
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Personal mit moderatem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und an besonders relevanten Positionen für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur
  • Personal im ÖGD

Erhöhte Priorität

Die STIKO schätzt diese Gruppe auf etwa 6,9 Millionen Menschen:

  • Personen im Alter von ≥65-70 Jahren
  • Personen mit Vorerkrankungen mit moderatem Risiko und deren engste Kontaktpersonen
  • Personal mit niedrigem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • LehrerInnen
  • ErzieherInnen
  • Personen mit prekären Arbeits-und/oder Lebensbedingungen (z.B.: Saisonarbeiter, Beschäftigte in Verteilzentren oder der Fleisch verarbeitenden Industrie)

Gering erhöhte Priorität

Die STIKO schätzt diese Gruppe auf etwa 9 Millionen Menschen:

  • Personen im Alter von ≥60-65 Jahren
  • Personal in Schlüsselpositionen der Landes-und Bundesregierungen
  • Beschäftigte im Einzelhandel
  • Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur (z.B. Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei, ÖPNV, Abfallwirtschaft, etc.)

Niedrige Priorität

Die STIKO schätzt diese Gruppe auf etwa 45 Millionen Menschen:

  • Alle übrigen Personen im Alter von < 60 Jahren

"Mittelfristig ist es das Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu einer Impfung gegen Covid-19 anbieten zu können", heißt es in dem Entwurf. Die Empfehlung solle künftig auch nach Verfügbarkeit von mehr Impfstoffen aktualisiert werden, dabei könnten auch Zielgruppen angepasst werden.

"Das zunehmende Alter ist der unabhängige Faktor, der mit Abstand die höchste Risikoerhöhung mit sich bringt", heißt es in der Empfehlung. Vorerkrankungen und eine Schwangerschaft spielten im Vergleich dazu eine untergeordnete Rolle. So war die Sterberate bei einer Studie mit Covid-19-Patienten im Krankenhaus bei Betroffenen zwischen 50 und 59 Jahre 2,6-mal höher als bei Unter-50-Jährigen. Zwischen 60 und 69 lag sie 5-mal höher, bei 70- bis 79-Jährigen 8,5 mal höher.

Von der Deutschen Stiftung Patientenschutz kam Kritik. Mehr als acht Millionen Menschen scheinbar gleichberechtigt bei der Priorität auf Nummer eins zu setzen, könne nicht funktionieren, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. "Deshalb müssen zunächst die Pflegebedürftigen und Schwerstkranken die Chance auf eine Impfung bekommen. Erst danach sind Menschen an der Reihe, die in medizinischen und pflegerischen Bereichen arbeiten. An dritter Stelle gilt es, die systemrelevanten Berufe zu stellen."

(Mit Material der dpa)

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