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Christinane Kröger ist Expertin für Rockerkriminalität. Wieso die Auflösung der Hells Angels aus ihrer Sicht ein großer Fake sein könnte, erklärt Kröger im Interview.
Aufgelöst ja, verschwunden nein: Auch wenn es die Hells Angels Hannover seit Donnerstag offiziell nicht mehr gibt, dürfte sich an ihren Machenschaften nicht viel ändern, glaubt die Journalistin Christine Kröger. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Rockerkriminalität und organisierter Kriminalität. Für ihre Arbeit ist sie mehrfach ausgezeichnet worden, etwa 2010 mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse.
Welche Motive könnten hinter der Auflösung der Hells Angels in Hannover stecken?
Kröger: «Meiner Meinung nach ist das ein taktisches Manöver. Die Hells Angels wollen aus den Negativ-Schlagzeilen, aus dem Fokus der Ermittlungsbehörden und der kritischen Öffentlichkeit, um in Ruhe ihren Geschäften nachzugehen - sowohl den legalen wie den illegalen. Die Hells Angels sagen jetzt schon frank und frei "Wir bleiben Hells Angels" und, dass ihre Mitgliedschaft in dem sogenannten Club mit einer Lebenseinstellung verbunden ist, für die sie keinen Charter brauchen, was im Übrigen ihren eigenen Clubstatuten widerspricht. Von daher ist das Ganze meines Erachtens ein großer Fake.»
Und wie geht es weiter mit den Mitgliedern?
Kröger: «Ich denke, dass diese Männer weitermachen wie bisher. Die betreiben ihre Bordelle weiter, ihre Clubs und ihre Firmen im Security- und Eventbereich. BKA und Landeskriminalämter haben Hinweise, dass sie dann in einiger Zeit auch wieder Hells-Angels-Kutten tragen werden, dann aber angeblich Mitglieder ausländischer Charter sind. Und dann hätten die deutschen Ermittlungsbehörden ein Problem: Einen ausländischen Verein zu verbieten, dürfte rechtlich praktisch unmöglich sein.»
Könnten die Rocker nach der Selbstauflösung also noch gefährlicher werden - oder sind die Hells Angels nun doch erstmal geschwächt?
Kröger: «Ich gehe davon aus, dass zumindest ein guter Teil von ihnen demnächst wieder in Kutte auftaucht, denn viele brauchen die Kutte ja, um furchteinflößend zu wirken und zu signalisieren: "Ich habe diesen Club hinter mir, und wenn du nicht spurst, dann kriegst du ein Problem - und zwar nicht nur mit mir." Ich denke, gerade das Standing des Ex-Hannover-Chefs Frank Hanebuth und des engen Zirkels um ihn herum ist aber stark genug, die brauchen die Kutte gar nicht mehr. Insgesamt gehe ich daher nicht von einer Schwächung aus.»
Fotos: dpa
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