25.05.2012
KREIS OSNABRÜCK

Keine Verkehrsschilder: In Bohmte funktioniert's

Straßen ohne Ampeln und Schilder - in Bohmte ist das seit einigen Jahren Alltag. Doch damit steht die Gemeinde in Niedersachsen alleine da. Andere Projekte bekamen bisher kein grünes Licht vom Ministerium. Jetzt könnte aus Friesoythe ein neuer Vorstoß kommen.

In der kleinen Gemeinde Bohmte im Kreis Osnabrück rollt der Verkehr ohne Ampel und Vorfahrtsschilder. Vor vier Jahren startete die 13 000 Einwohner-Kommune einen von der EU geförderten Modellversuch - der landesweit viel Aufsehen erregte, bisher aber keine Nachahmer fand. Einige Orte liebäugeln zwar mit dem neuen Verkehrskonzept. Alle Initiativen scheiterten bislang aber am Ministerium in Hannover.

Auch Friesoythe will Schilderwald roden

Der Bürgermeister von Friesoythe, Johann Wimberg, lässt sich trotzdem nicht entmutigen. Er will den Verkehr in der Innenstadt beruhigen und hält "Shared Space"- so nennen Fachleute das Konzept, das den Schilderwald auf den Straßen lichten soll - für eine gute Idee. Bohmte "Wir befinden uns in der Stadt Friesoythe allerdings erst am Anfang einer Diskussion und müssen uns in den nächsten Schritten mit den Möglichkeiten noch genauer beschäftigen", sagte der CDU-Politiker.

Bohmte soll dabei als Vorbild dienen. Im Juni 2008 schaffte die Gemeinde als erste in Deutschland auf einer Hauptverkehrskreuzung alle Ampeln und Verkehrsschilder ab. Seither gilt dort nur noch: rechts vor links. Die Erste Gemeinderätin Sabine de Buhr-Deichsel wertet das Projekt als vollen Erfolg. "Schlagartig seit dem Tag gibt es keine Staus mehr." Auch die Zahl der Unfälle sei nicht gestiegen, obwohl Kritiker das befürchtet hatten. Die Gemeinde würde die schilderfreie Zone am liebsten ausdehnen. Doch dafür fehlt zurzeit das Geld.

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Verkehrministerium verteilt Absagen an andere Kommunen

Das Verkehrsministerium in Hannover ist von den positiven Erfahrungen in Bohmte jedoch nicht ganz so überzeugt. Hatten und Reppenstedt kassierten deshalb eine Absage für "Shared Space". Beide Gemeinden wollten Ampeln und Schilder an Landesstraßen entfernen. Doch dafür brauchen sie eine Genehmigung von Landkreis und Ministerium. In Bohmte hatten die Behörden wegen des Modellprojekts eine Ausnahme gemacht. "Wir warten auf eine Evaluation, wie sich das in Bohmte entwickelt hat", begründete Ministeriumssprecher Christian Budde. Bisher gebe es keine wissenschaftliche Auswertung. Generell sei das Ministerium skeptisch, ob die Bürger sich von den von klein auf erlernten Vorfahrtsregeln einfach so lösen könnten. "Das setzt voraus, dass alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht aufeinander nehmen." Bei stark befahrenen Straßen sehen die Experten da Probleme.

Foto: dpa
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