Waffennarr hortet Kriegswaffen - Haftbefehl
Ein anonymer Hinweis hat die Polizei auf die Spur eines Waffennarren gebracht. In seiner Wohnung fand sie zahlreiche Kriegswaffen - Maschinengewehre und eine Maschinenpistole. Einschlägige Schriften in der Wohnung deuten auf eine rechtsradikale Gesinnung hin.
Rotweißes Flatterband umgibt das Grundstück, der Radweg vor dem adretten weißen Häuschen ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Polizeiwagen parken am Straßenrand. Die Beamten suchen in dem Haus in Bissendorf bei Osnabrück nach Beweismitteln. Am Dienstag stießen sie hier nach einem anonymen Hinweis auf ein Arsenal an Waffen: drei Maschinengewehre, drei Karabiner, eine Maschinenpistole und die dazu passende Munition.
Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug
Ein Teil der Waffen war verschlossen untergebracht, andere Waffen standen offen in der Wohnung herum. Die Beamten fanden auch rechtsradikales Schriftgut, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Gegen den Wohnungseigentümer, einen 37 Jahre alten Geschäftsmann, wurde am Mittwoch zwar ein Haftbefehl erlassen, er wurde aber unter Auflagen außer Vollzug gesetzt. «Das heißt, er ist auf freiem Fuß», sagte eine Polizeisprecherin.
Rechtsradikaler Hintergrund vermutet
Die Ermittler gingen derzeit davon aus, dass der Mann einen rechtsradikalen Hintergrund habe, bestätigte Retemeyer. Neben den rechtsradikalen Schriften fanden sie auch militärische und politische Literatur, unter anderem zu Waffen und der Geschichte des Zweiten Weltkrieges.
Nach ersten Aussagen des 37-Jährigen ist er ein Waffensammler. Möglicherweise sei er tatsächlich ein waffensammelnder Einzeläter, ein «Weltkriegs-II-Fetischist», wie Retemeyer formulierte. Möglicherweise gibt es aber doch Beziehungen zu rechtsradikalen Gruppen. Um Klarheit zu bekommen, untersuchen die Ermittler das kleine, ländlich gelegene Haus gründlich.
«Das wird alles kriminaltechnisch sauber aufgenommen, wie bei einem Mordfall», erklärte der Staatsanwalt. Gesucht wird nach Spuren, ob andere Personen mit diesen Waffen hantiert haben, auch nach Hinweisen zu Kontakten mit irgendwelchen einschlägigen Gruppen. Zunächst habe es diese Hinweise nicht gegeben, betonte Retemeyer. Aber nach den jüngst bekannt gewordenen rechtsradikalen Straftaten wollen die Ermittler in diesem Fall sehr gründlich arbeiten, hieß es von der Polizei. Die Untersuchung des Hauses werde noch Tage dauern.
37-jähriger ist Geschäftsmann
Am Mittwochmittag wurden die Waffen per Sonderkurier zur gründlichen Untersuchung ins Landeskriminalamt nach Hannover gebracht, sagte Polizeisprecher Joachim Hans zur Lage. Der Beschuldigte sollte am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden.
Der 37-Jährige ist ein Geschäftsmann. Seine Räume hat er in Leverkusen und Willich bei Krefeld. Auch diese wurden nach Waffen durchsucht, allerdings erfolglos. Was der Beschuldigte beruflich macht, sagten die Ermittler zunächst nicht. «Das sind Fragen, die normalerweise in der ersten Vernehmung geklärt werden», sagte zur Lage.
«Der hat Maschinen entwickelt, Pressen und Förderbänder», erzählte ein Nachbar. Das habe ihm der 37-Jährige erzählt. Der Mann sei sehr selten zu Hause gewesen, vielleicht nur alle drei Wochen übers Wochenende. «Er machte immer einen sympathischen Eindruck.» Von den Waffenfunden seien alle in der Nachbarschaft überrascht gewesen. «Das ist hier wie im Krimi», meinte eine ältere Nachbarin. Mit Schrecken denke sie an die Waffen und die Munition.
Fotos: dpa
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