24.05.2012
Großrazzia gegen "Hells Angels"

Durchsuchungen bei Rocker-Boss Hanebuth

Erneut massiver Schlag gegen Hells Angels: Rund 1000 Polizisten durchsuchen am Donnerstag auf einen Schlag Bordelle, Gaststätten und Wohnungen in Norddeutschland. Der Verdacht: Menschen- und Waffenhandel, Korruption, Körperverletzung.

Rund 80 Gebäude und Wohnungen sind durchsucht worden. Spezialeinsatzkräfte nahmen sich auch das Privathaus von Hannovers Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth vor. Der Rockerchef war nach Angaben der Polizei während der Aktion in seinem Haus. Ermittler trugen am Vormittag bereits Koffer und Rucksäcke von dem Grundstück.

"Das ist unheimlich"

Razzia in Bissendorf Polizei und Staatsanwaltschaft in Kiel hatten am frühen Morgen mit der Groß-Razzia im Rocker-Milieu begonnen. Vor allem Bordelle, Gaststätten und Wohnungen waren betroffen. Etwa 1000 Beamte waren an den Aktionen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen beteiligt. Es wird wegen Körperverletzung, Menschenhandel, Waffenhandel und Korruption ermittelt.

Hannovers Hells-Angels-Chef weist Vorwürfe zurück

Nach der Razzia im Privathaus von Hannovers Hells-Angels-Präsident Frank Hanebuth hat sich der Rocker-Chef über seinen Anwalt geäußert. "Er weist die Vorwürfe als völlig abwegig zurück", sagte Götz von Fromberg. Die Aktion der Polizei richtet sich besonders gegen Mitglieder des seit Januar verbotenen Kieler Chapters der Hells Angels. Hanebuth wird vorgeworfen, von den Delikten gewusst oder sie sogar angestiftet zu haben. Sein Mandant habe damit nichts zu tun, er kenne die Leute gar nicht, betonte von Fromberg.

Polizei erschießt Welpen?

Hells Angels - Frank Hanebuth "Der erste Zugriff war sehr massiv und unverhältnismäßig", kritisierte der Anwalt. Die Spezialkräfte der Polizei hätten Türen eingetreten und vor den Augen von Hanebuths Sohn einen Welpen erschossen. Die Gespräche mit dem Staatsanwalt danach hätten in ruhiger, sachlicher Atmosphäre stattgefunden.

Hannovers Hells-Angels-Chef gilt in Ermittlerkreisen als einer der einflussreichsten Mitglieder der Rockerbande bundesweit. Im November hatte Hanebuth angekündigt, sich aus Hannovers Rotlichtviertel am Steintor zurückzuziehen.

Die Hells Angels mit ihrem Emblem des geflügelten Totenkopfes gelten als mitgliederstärkster Rockerclub weltweit. Sie waren in der Vergangenheit in Deutschland immer wieder wegen Verbrechen, brutalen Konkurrenzkämpfen gegen andere Rockerbanden oder wegen Verboten ihrer Chapter in die Schlagzeilen geraten.

Fotos: dpa

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