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09.02.2012
Osnabrück

Taubenjäger im Bürgerpark

Umstrittene Jagdaktion am Gertrudenberg. Schüsse fallen, Menschen sind geschockt. Der Hintergrund: Eine Taubenjagd.

Gefährlich oder nötig?

Das ist die entscheidende Frage. Die "Neue Osnabrücker Zeitung" NOZ schreibt, eine Joggerin war regelrecht empört. Sie hatte Familien mit Kindern im Park gesehen. Die Kinder hatten im Gebüsch gespielt, schreibt die NOZ weiter. Die Joggerin wollte sich gar nicht erst ausmalen, was passiert wäre, wenn die Jäger im Bürgerpark die Kinder für Hasen gehalten hätten.

Alles halb so wild

Das sagte der zuständige Jagdaufseher Reinhold Rethschulte der Zeitung. Er machte klar: Im Park wurde nur auf Tauben geschossen und auf nichts anders. Um niemanden zu gefährden, haben die Jäger nur Tauben ins Visier genommen, die in Bäumen saßen, sagte Rethschulte. Außerdem sei die Jagd mit der Stadt abgestimmt gewesen. Die toten Vögel sollen zur Untersuchung zur Veterinärmedizin der Universität Hannover geschickt werden.

Taubenjagd in der Stadt: Muss das sein?

Wild lebende Tauben in Städten sind ein Problem. Jede wild lebende Taube kann Krankheitskeime verbreiten, die auch für Menschen gefährlich sind. Außerdem verätzen sie mit ihrem Kot Gebäude. Und da jede Taube im Jahr 10 bis 12 Kilo dieser Gebäudekiller produziert, kann man sich vorstellen, was die Biester etwa einer altehrwürdigen Kirche antun können.

Fruchtbar wie Karnickel

Das Hauptproblem: Die Viecher haben einfach zu viel Zeit zur Vermehrung. Und die nutzen sie gründlich. Ein Taubenpärchen kann bis zu 14 Küken im Jahr ausbrüten. Und deshalb sind die Tauben extrem weit verbreitet und treten in Massen auf, was ihnen bei Gegnern schon den Namen "Flugratten" eingebracht hat. Umweltschützer sagen deshalb: Geburtenkontrolle tut not. Nun kann man den gurrenden Vögeln nicht einfach die Pille verabreichen.

Das Gipsei des Kolumbus

Es ist der letzte Schrei in der Taubenbekämpfung. Ein Gipsei, das den Vögeln statt des echten Eis untergeschoben wird. Dazu muss man an die Tauben heran kommen. Die Stadt Wuppertal zum Beispiel bietet den Tieren eigene Nisthäuser an. Dort werden die Eier ganz einfach ausgetauscht. Ergebnis: Die Zahl der Tauben nimmt ab.

Das ist allemal freundlicher und schonender als der Abschuss der Tiere. Der Schreckfaktor für die Menschen ist außerdem erheblich geringer. Und einen Vorteil sehe ich auch noch. Ich habe immer dieses Bild im Hinterkopf, dass ein Jäger in einem Park eine Taube abschießt. Das tote und blutige Tier fällt einem kleinen Kind im Park direkt vor die Füße. Das muss nun echt nicht sein. Da geht es mit Taubenhäusern und Gipseiern erheblich besser.

Fotos: dpa

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