Bundesregierung will Witt-Video "Gloria" auf den Index setzen
Deutsche Soldaten, die vergewaltigen und morden - für diese Darstellung in seinem neuen Musikvideo "Gloria" erntet der Musiker Joachim Witt einen Proteststurm. Auch der Bundeswehrverband spricht von einer "Verunglimpfung". Die Bundesregierung will das Video indizieren lassen.
Sollte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Clip als jugendgefährdend einstufen, darf er nur noch Erwachsenen zugänglich gemacht werden. Mit einer Entscheidung ist bis Anfang kommender Woche zu rechnen. Gegen das Video von Joachim Witt hatte der Bundeswehrverband in der vergangenen Woche heftig protestiert.
"Geschmacklos"
"Bei aller künstlerischer Gestaltungsfreiheit: Das Video verunglimpft deutsche Soldaten in geschmackloser Weise." So äußert sich der Bundesvorsitzende des deutschen Bundeswehrverbandes, Oberst Ulrich Kirsch, zu dem Musik-Video. Das Video zeigt Soldaten in Uniformen der Bundeswehr mit deutschen Hoheitsabzeichen, die eine Frau vergewaltigen - dazu ein blutiges Messer und ein totes Kind. Joachim Witt versucht offenbar, mit diesen Szenen die Grausamkeit eines Krieges darzustellen - wiewohl das gesamte Video auf den Zerfall der Welt mit Umweltkatastrophen und Atomkrieg hinweist. Gleichzeitig spielt die Kritik an Religion eine Rolle. Joachim Witt will mit diesem Video offensichtlich provozieren...
Der Bundeswehrverband kann die Darstellung nicht nachvollziehen. "Ausgerechnet diejenigen, die seit Jahren ihren Kopf für dieses Land hinhalten und etwa auf dem Balkan solche Szenarien verhindert haben, werden hier mit brutalen Gewaltverbrechern gleichgestellt", so Kirsch. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes ruft dazu auf, den Unmut gegenüber Joachim Witt auch deutlich zu machen und kritische Kommentare auf dessen Homepage und Facebook-Seite zu hinterlassen.
Joachim Witt: "Ich entschuldige mich dafür"
Am Freitagmittag hat Joachim Witt auf die vielen kritischen Beiträge der Internetnutzer reagiert und klar gestellt, niemanden beleidigen zu wollen:
"Bei dem Video zu GLORIA handelt es sich unmissverständlich um eine Kunstform! Wir zeichnen in großen und anspruchsvollen Bildern ein apokalyptisches Horrorszenario! Die Soldaten in diesem Video sind austauschbar! Wenn sich jemand und das tun augenscheinlich viele, auf Grund des dargestellten Hoheitszeichens auf den Uniformen, angegriffen oder gar beleidigt fühlen, entschuldige ich mich dafür! Als ehemaliges Mitglied des Bundesgrenzschutzes (noch zu Zeiten des Kalten Krieges) respektiere ich die Arbeit der Bundeswehr! Es grüßt Euch Joachim Witt"
Links zum Thema
- Homepage von Joachim Witt: www.joachimwitt.de
- Joachim Witt bei Facebook: www.facebook.com/joachimwittmusik
- Pressemitteilung des Bundeswehrverbands: www.dbwv.de
Empörte Kommentare auf den Internetseiten von Joachim Witt
Das Video hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Hunderte Beiträge von Bundeswehrsoldaten und deren Angehörigen sowie anderer Nutzer machen ihrer Wut über die Darstellung Luft. Einige halten auch die Klarstellung von Joachim Witt durch seinen Facebook-Post für nicht ausreichend.
Auf der anderen Seite verteidigen viele Fans die Darstellung und die Grundaussage des Videos "Gloria" von Joachim Witt.
Joachim Witt: Der "Goldene Reiter" brachte den Erfolg
Der heute 63-jährige Joachim Witt ist eine der Ikonen der "Neuen Deutschen Welle". 1981 katapultierte ihn die Single "Goldener Reiter" an die Spitze der deutschen Charts. Der Song ist bis heute auf jedem NDW-Sampler zu finden. Mitte der 80er Jahre wurde es ruhig um Joachim Witt. 1998 gelang ihm ein großartiges Comeback, als der gemeinsam mit Peter Heppner produzierte Song "Die Flut" in Deutschland doppelten Platin-Status erreichte. Bei dem aktuellen Song "Gloria" sprechen vielen von einem weiteren Meilenstein in der Karriere von Joachim Witt. Dieser Song bilde zusammen mit "Goldener Reiter" und "Die Flut" eine Trilogie.
Fotos: dpa







