09.10.2012
Auf den Index?

Bundesregierung will Witt-Video "Gloria" auf den Index setzen

Deutsche Soldaten, die vergewaltigen und morden - für diese Darstellung in seinem neuen Musikvideo "Gloria" erntet der Musiker Joachim Witt einen Proteststurm. Auch der Bundeswehrverband spricht von einer "Verunglimpfung". Die Bundesregierung will das Video indizieren lassen.

Sollte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Clip als jugendgefährdend einstufen, darf er nur noch Erwachsenen zugänglich gemacht werden. Mit einer Entscheidung ist bis Anfang kommender Woche zu rechnen. Gegen das Video von Joachim Witt hatte der Bundeswehrverband in der vergangenen Woche heftig protestiert.

"Geschmacklos"

"Bei aller künstlerischer Gestaltungsfreiheit: Das Video verunglimpft deutsche Soldaten in geschmackloser Weise." So äußert sich der Bundesvorsitzende des deutschen Bundeswehrverbandes, Oberst Ulrich Kirsch, zu dem Musik-Video. Das Video zeigt Soldaten in Uniformen der Bundeswehr mit deutschen Hoheitsabzeichen, die eine Frau vergewaltigen - dazu ein blutiges Messer und ein totes Kind. Joachim Witt versucht offenbar, mit diesen Szenen die Grausamkeit eines Krieges darzustellen - wiewohl das gesamte Video auf den Zerfall der Welt mit Umweltkatastrophen und Atomkrieg hinweist. Gleichzeitig spielt die Kritik an Religion eine Rolle. Joachim Witt will mit diesem Video offensichtlich provozieren...

Oberst Ulrich Kirsch Bundeswehrverband Der Bundeswehrverband kann die Darstellung nicht nachvollziehen. "Ausgerechnet diejenigen, die seit Jahren ihren Kopf für dieses Land hinhalten und etwa auf dem Balkan solche Szenarien verhindert haben, werden hier mit brutalen Gewaltverbrechern gleichgestellt", so Kirsch. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes ruft dazu auf, den Unmut gegenüber Joachim Witt auch deutlich zu machen und kritische Kommentare auf dessen Homepage und Facebook-Seite zu hinterlassen.

Joachim Witt: "Ich entschuldige mich dafür"

Am Freitagmittag hat Joachim Witt auf die vielen kritischen Beiträge der Internetnutzer reagiert und klar gestellt, niemanden beleidigen zu wollen:

"Bei dem Video zu GLORIA handelt es sich unmissverständlich um eine Kunstform! Wir zeichnen in großen und anspruchsvollen Bildern ein apokalyptisches Horrorszenario! Die Soldaten in diesem Video sind austauschbar! Wenn sich jemand und das tun augenscheinlich viele, auf Grund des dargestellten Hoheitszeichens auf den Uniformen, angegriffen oder gar beleidigt fühlen, entschuldige ich mich dafür! Als ehemaliges Mitglied des Bundesgrenzschutzes (noch zu Zeiten des Kalten Krieges) respektiere ich die Arbeit der Bundeswehr! Es grüßt Euch Joachim Witt"

Links zum Thema

Empörte Kommentare auf den Internetseiten von Joachim Witt

Joachim Witt Das Video hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Hunderte Beiträge von Bundeswehrsoldaten und deren Angehörigen sowie anderer Nutzer machen ihrer Wut über die Darstellung Luft. Einige halten auch die Klarstellung von Joachim Witt durch seinen Facebook-Post für nicht ausreichend.

scoll left

Auswahl einiger Kommentare auf der Facebook-Seite von Joachim Witt

Bei aller Liebe Herr Witt, sich hier hinter der Kunst zu verstecken ist ganz klar Ihrer Person unwürdig. Bei einer so eklatanten Fehleinschätzung der Außenwirkung und der damit einhergehenden Konsequenz, die Herabsetzung deutscher Soldaten, sollte Sie zu mehr verleiten als der Aussage, hier handelt es sich um eine Kunstform. Stefan Mainke (Facebook)
Was denkt sich ein Mensch dabei, wenn er so ein Video veröffentlicht?! Anscheinend haben sie überhaupt nicht gedacht und anscheinend haben sie überhaupt keine Ahnung was unsere Soldaten im Einsatz leisten. Alice Bx (Facebook)
Wie stehen wir als Soldaten denn da wenn wir in den Medien in Uniform bei solchen Taten gezeigt werden! Wo bleibt der Respekt uns gegenüber! Wie sollen wir Stolz auf unser Vaterland sein, wenn uns unsere eigenen Mitbürger so in den Dreck ziehen? Robert Eckbrett (Facebook)
Eine grandiose Überführung der Wahrheit in ihr Gegenteil! Wer diejenigen, die ihren Kopf für Sicherheit und Menschenrechte hinhalten, als vergewaltigende Horden darstellt, der muss jeden Bezug zur Realität verloren haben. Johannes Westmeier (Facebook)
Sehr geehrter Herr Witt, ich habe Sie eigentlich immer für einen hervorragenden Musiker und einigermaßen intelligenten Menschen gehalten. Wie ich sehe habe ich mich geirrt. Der Anfang ihres Musikvideos zu dem Song "Gloria" verschlägt mir die Sprache. Michael Hartig (Facebook)
Als ich ihr Video gesehen habe, war ich zuerst geschockt, nun bin ich nur noch tief getroffen und traurig. Es ist wirklich schade, was sie in diesem Video zeigen Thomas Mosser (Facebook)
Man mag im Zusammenhang mit Auslandseinsätzen und der Bundeswehr über vieles geteilter Meinung sein können, aber dieses Video ist nicht nur völlig geschmacklos, sondern zeichnet ein fatales falsches Bild. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich irgendwann einmal ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen müssen und begreifen was Sie damit anrichten. Jens Fleischhauer (Facebook)
Die in Ihrem Video gezeigten Szenen sowie das, was sie suggerieren, haben aber nun eine weitere Grenze überschritten. Vielleicht sollten Sie sich mit dem Auftrag der Bundeswehr in Afghanistan befassen sowie mit den realen Gegebenheiten vor Ort? Die Bundeswehr verübt keine Kriegsverbrechen in Afghanistan, sie VERHINDERT sie Gerke Minrath (Facebook)
Haben Sie in den letzten Tagen gesehen was falsche Bilder anrichten können? Haben wir nicht gerade eine breite Diskussion darüber, wie wir trotz Meinungsfreiheit mit den Gefühlen anderer Menschen umgehen? Ist der Konsens nicht, dass alle die etwas ins „Netz“ und die Öffentlichkeit stellen Verantwortung tragen? Ist das alles an Ihnen vorbeigegangen? Wir Soldaten ringen jeden Tag um Anerkennung für das was wir tun. Einfaches Interesse würde uns aber auch schön genügen! Uns Soldaten als Mörder und Vergewaltiger darzustellen hat nichts mit Kunst zu tun. Patrick Bernardy (Facebook)
Der Inhalt des Videos zu Gloria mag durch die freie Meinungsäußerung hier in Deutschland gedeckt sein, besser wird es dadurch nicht. Man kann auch von der Bundeswehr halten was man möchte, aber diese absolut realitätsferne Darstellung schlägt dem Faß den Boden aus. Nils Krause
Wie würden Sie es finden als Vergewaltiger und Mörder dargestellt zu werden? Haben Sie schonmal an die Kinder gedacht? Sie haben es sowieso schwieriger, denn sie haben um Ihren Vater, Opa, Onkel etc. Angst. Und jetzt zeigen sie denen, dass es böse Menschen sind. Sie haben wohl Ihre Menschlichkeit verloren. Sollten Sie noch bisschen Anstand besitzen, ziehen Sie freiwillig das Video zurück. Maren Herzi (Facebook)
Eine bewusste Überspitzung der Gräuel eines Krieges ist bestimmt als künstlerisches Mittel erlaubt - aus meiner Sicht wird hier aber weit über das Ziel hinausgeschossen. Die deutschen Soldaten sind im Auftrag des deutschen Volkes gerade in die Einsätze gegangen, um solche Exzesse zu unterbinden. Dirk Remmers (Facebook)
scoll right

Auf der anderen Seite verteidigen viele Fans die Darstellung und die Grundaussage des Videos "Gloria" von Joachim Witt.

Joachim Witt: Der "Goldene Reiter" brachte den Erfolg

Der heute 63-jährige Joachim Witt ist eine der Ikonen der "Neuen Deutschen Welle". 1981 katapultierte ihn die Single "Goldener Reiter" an die Spitze der deutschen Charts. Der Song ist bis heute auf jedem NDW-Sampler zu finden. Mitte der 80er Jahre wurde es ruhig um Joachim Witt. 1998 gelang ihm ein großartiges Comeback, als der gemeinsam mit Peter Heppner produzierte Song "Die Flut" in Deutschland doppelten Platin-Status erreichte. Bei dem aktuellen Song "Gloria" sprechen vielen von einem weiteren Meilenstein in der Karriere von Joachim Witt. Dieser Song bilde zusammen mit "Goldener Reiter" und "Die Flut" eine Trilogie.

Fotos: dpa
Jens
Jens Gümmer Freue mich auf Ihre Kommentare!

Das ist los über Pfingsten ...

Von der Party bis zum Familien-Tagesausflug - hier finden Sie tolle Veranstaltungstipps.

Aktuelle Nachrichten-Videos

bitte warten