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Amazon Echo

Alexa, herzlich willkommen in der Familie!

Die neuen Amazon-Geräte nehmen Einzug in die Wohnungen und Häuser. Die Dinger machen Spaß, funktionieren überraschend gut und sind zugleich etwas unheimlich. Dürfen wir vorstellen? Das ist Alexa...


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 (Foto: picture alliance / Christoph Der)

Immer doof, wenn so ein Text mit "eigentlich" anfängt... aber eigentlich heißt die Technologie "Amazon Echo" oder, wenn das kleine Eishockeypuck-große Ding gemeint ist, "Amazon Echo Dot". Aber "Alexa" ist eben etwas persönlicher, deswegen bleiben wir dabei.

Was Wer ist Alexa?

Äh, tja. Gar nicht so einfach zu beantworten. Es gibt eigentlich (schon wieder "eigentlich") noch keinen Namen für diese neue Geräteklasse. Man holt sich mit Alexa einen sprechenden Lautsprecher ins Haus und auch irgendwie künstliche Intelligenz. Formell ausgedrückt handelt es sich bei Alexa wohl um ein Sprachassistenz-System. Auch von einem digitalen Butler war schon mal die Rede, aber das ist albern.

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 (Foto: pa/obs/innogy SE - Effizienz)

Was kann Alexa?

Zuallererst kann Alexa eure Stimme erkennen. Ihr sprecht sie an mit "Alexa" und lasst dann einen Sprachbefehl folgen. Sie versteht's und tut es - im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Alexa kann Fragen beantworten, Musik von euren Musikdiensten (z.B. Spotify) abspielen, das Wetter vorhersagen, Nachrichten vorlesen, einen Wecker oder Timer stellen und - nicht verwunderlich bei Amazon - Einkaufslisten verfassen und direkt Produkte bestellen. Und Alexa lernt von Tag zu Tag dazu. Sie steuert mittlerweile verlässlich auf Zuruf sogenannte Smart-Home-Funktionen. Wenn eure Wohnung also vernetzt ist, kann Alexa also etwa die Raumtemperatur oder die Lichtstimmung regeln. Es gibt bereits hunderte Skills für Alexa in Deutschland.

Hä? "Skills"?

Was Apps für ein Smartphone sind, sind Skills für Alexa. Kleine Programme vor allem von Drittanbietern, denen Amazon eine eigene Rubrik auf seiner Homepage eingerichtet hat - zum Stöbern und Entdecken. Und wie damals, als die ersten iPhone-Apps vor zehn Jahren entwickelt wurden, entdeckt man bei den Skills jede Menge Unsinn, der kaum zu gebrauchen ist (Okay, der Pups Generator klingt interessant - Ausnahmen bestätigen eben die Regel). Aber es gibt auch bereits einige sehr hilfreiche Skills, die die Fähigkeiten von Alexa sinnvoll erweitern. Bahnverbindungen checken, Kalender verwalten, Hörbücher hören, usw. Die Installation der Skills und alle weiteren Einstellungen werden übrigens per App vorgenommen.

Was kann Alexa nicht?

Man merkt leider nicht selten, dass Alexa nur eine Maschine ist. Auf viele Fragen weiß sie leider (noch) keine Antwort. Ihr "Wissen" ist noch ausbaufähig: Sie kann euch zwar sagen, wie hoch der Kilimandscharo ist, den Brocken im Harz kennt sie aber nicht. Das hängt zum einen damit zusammen, dass sie nicht klassisch wie eine Suchmaschine arbeitet (eine Google-Suche ist nur über einen Trick mit Alexa nutzbar), zum anderen daran, dass die Anpassung an die deutsche Sprache wohl nicht ganz so einfach ist. Die englischsprachige Alexa ist deutlich fitter und kann auch Zusammenhänge in "Gesprächen" verstehen. Beispiel: Du: "Alexa, wann ist der nächste Wecker gestellt?" - Sie: "Der nächste Wecker ist auf 6 Uhr 30 gestellt" - Du: "Alexa, lösche diesen Wecker" - englische Alex: "Der Wecker ist gelöscht" / deutsche Alexa: "Hä? Wecker? Keine Ahnung, was gemeint ist."

Unsere Prognose: Das wird schon. Die intelligenten Lautsprecher sind jetzt schon überraschend gut. In kürzester Zeit werden die digitalen Sprachassistenten weitere große Entwicklungssprünge machen. Vergleicht mal euer erstes Smartphone mit dem Alleskönner, den ihr heute in der Hosentasche habt.

Butter bei die Fische: Was kostet der Spaß?

Die 23,5 cm große Alexa ("Amazon Echo") kostet knapp 180 Euro. Vorteil: hat für diesen Preis einen ganz ordentlichen Lautsprecher mit Subwoofer. Die kleine, nur 3,2 cm hohe Alexa ("Amazon Echo Dot") sieht aus wie ein Eishockeypuck. Die kleine Alexa hat nur einen Mini-Lautsprecher, der sich für Musik nicht wirklich gut eignet, dafür kann man sie aber per Klinkenkabel mit einer Hifi-Anlage verbinden oder einen Bluetooth-Lautsprecher ansteuern. Echo Dot kostet nur knapp 60 Euro.

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 (Foto: picture alliance / dpa)

Welche Technik steckt in Alexa?

Sieben Mikrofone. Richtstrahltechnologie. Störsignalunterdrückung. Klingt cool, gell? Heißt nichts anderes, als dass Alexa euch wirklich gut versteht. Es kann eure Sprachbefehle aus jeder Richtung hören, egal wo im Raum ihr euch befindet. Erst wenn die Umgebungsgeräusche richtig laut sind, reagiert Alexa nicht mehr. Aber auch für diesen Fall hat Amazon mit einer Fernbedienung eine Lösung im Shop. Bei den Lautsprechern stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis sowohl beim Echo als auch beim kleinen Echo Dot. Der Echo bietet einen guten 360-Grad-Klang. Beim Dot reicht's für Küche und Bad, aber ohne echten Musikgenuss. Es gibt eine stabile WLan-Verbindung. Ein Manko allerdings: Alexa ist nicht mobil, hat keinen eigenen Akku. Vermutlich wünscht sich Amazon, dass wir uns gleich mehrere Alexen zulegen, eine für jeden Raum. Aber zumindest gibt es für den kleinen Echo-Dot, der anders als der große Echo über einen Mini-USB-Anschluss mit Strom versorgt wird, schon angepasste Akku-Modelle, mit denen man Alexa dann auch in ein tragbares Modell verwandeln kann.

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 (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Äh – Mikrofone? Und was ist mit Datenschutz und Privatsphäre?

Okay. Berechtigte Frage. Auf den ersten Blick scheint Alexa tatsächlich der wahrgewordene feuchte Traum eines jeden NSA-Agenten zu sein. Auf den zweiten Blick auch. Verbraucherschützer schlagen die Hände über den Kopf zusammen. „Der große Lauschangriff“ wird beklagt. Der im Grundgesetz verankerte Schutz der Wohnung würde verletzt. Ganz ehrlich: Kann sein. Ja, es wird wohl keiner, der bei Verstand ist, seine Hand dafür ins Feuer legen, dass diese Geräte nicht gehackt werden können und die gesammelten Daten auch zu hundert Prozent sicher sind. Offiziell hört Alexa nur zu, wenn man sie auch direkt anspricht. Und es gibt einen Mikro-Aus-Knopf, der Alexa praktisch die Ohren zuhält. Ob das zur Beruhigung reicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Klar ist, dass eure Spracheingaben auf den Amazon-Servern in aller Welt verarbeitet werden. Soviel zur Faktenlage. Ihr seid freie Menschen. Die Entscheidung für oder gegen Alexa fällt ihr selbst.

Gibt's Konkurrenz für Alexa?

Naja, es gibt ja schon seit einigen Jahren Alexas Kolleginnen Siri (Apple) oder Cortana (Windows), aber in dieser neuen Geräteklasse der Sprachassistenz-Lautsprecher ist Alexa Pionierin und in Deutschland noch einzigartig. Die Alternative zu Alexa heißt Google Home - das System gibt's schon in den USA, bei uns wird es vermutlich im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Was man so liest und hört, kann Google Home viel intelligenter auf Fragen (und Nachfragen!) antworten als Alexa und funktioniert in der Google-Produktwelt sehr gut. Dafür hat Alexa die bessere Hardware an Bord und hat die schönere Stimme.

Und nu? Fazit?

Alexa hat definitiv ihre Reize. Macht Alexa Spaß? Ja. Braucht man Alexa? Vermutlich noch nicht. Aber wenn ihr mit uns einen Blick in die Glaskugel werfen wollt... Ja - die Sprachassistenten werden die Welt erobern. Es wird mehr Hersteller geben. Die Entwicklung wird rasant sein. Und die Alexas und Okay-Googles dieser Welt werden wirklich nützlich sein. So war's vor zehn Jahren, als der Siegeszug der Smartphones begann. Da hat's anfangs auch geholpert. Und innerhalb weniger Jahre hatte fast jeder so ein Ding. So wie das Smartphone heute für die allermeisten unersetzlich ist, werden die Sprach-Assis zuhause oder im Auto bald unverzichtbar werden. Sind wir den großen Internetkonzern damit restlos ausgeliefert? Werden Computer einst die Welt beherrschen? Wird irgendwann ein böser Terminator aus der Zukunft kommen, um Sarah Connor zu töten? Keine Ahnung. Fragt Alexa.